Morgen geht’s los. Die Bierkästen stehen bereit. Die Bratwürste sind gekauft. Der Grill wird zusammen mit unserem im Jahr 2006 neu entdeckten Nationalstolz wieder aus dem Keller geholt. Schwarz-rot-goldene Hawaii-Blumenkränze werden um den Hals gelegt und das Telefon abgestellt. Anpfiff.
Die Fußball-Weltmeisterschaft 2010 beginnt. Zwar mit gefühlt nur halb so vielen Spielern wie geplant (die Zahl der Verletzungsmeldungen übertraf in den letzten Wochen ja sogar die der gescheiterten Ölquellen-Stopfungsversuche), aber sie beginnt.
Da man, wie schon erwähnt, seit nunmehr vier Jahren nicht mehr sofort vom Verfassungsschutz unter die Lupe genommen wird, wenn man im öffentlichen Raum mit einer Nationalflagge in der Hand angetroffen wird, sind wir natürlich alle für Deutschland. Ehrensache. Aber insgeheim haben die meisten von uns auch noch andere Länder, denen sie nach unserer Nationalmannschaft die Daumen drücken. Die Gründe dafür sind unterschiedlich: Otto Rehhagel (Männer), Cristiano Ronaldo (Frauen). Wie dem auch sei, die Süddeutsche Zeitung hat in Vorbereitung auf die Fußball-WM schon mal einen sehr amüsanten Test ins Netz gestellt. „Finde Dein Team!“ gibt Aufschluss darüber, für welche Mannschaft das eigene Herz wirklich schlägt.
http://quiz.sueddeutsche.de/quiz/2081640311-wm-2010
Insgesamt müssen 20 Fragen beantwortet werden, wobei man sowohl über Fachliches („Auf welcher Position sollte ein Kapitän Ihrer Meinung nach spielen?“) als auch über Triviales („Welche Mahlzeit bevorzugen Sie?“) Auskunft geben muss.
So sage ich zum Beispiel, dass mir die Spielerfrauen ziemlich schnuppe sind. „Für einen Glanzpunkt auf der Tribüne“ sorgen sie meiner Meinung nach höchstens durch Schmuck, verspiegelte Riesensonnenbrillen oder Handtaschen im Metallic-Look. Alle drei stehen übrigens im Verhältnis zum Verdienst der jeweiligen Ehemänner.
Auf die Frage „Wie viel Arbeit macht die Mannschaft, die Sie unterstützen, den Schiedsrichtern?“ habe ich E „Sie spielt mit nötiger internationaler Härte“ geantwortet. Mehr muss es dann aber für meinen Geschmack auch nicht sein. Ein, zwei verteilte Karten pro Spiel sind ja vielleicht noch interessant, aber wenn sie sich häufen fühle ich mich immer so, als würde ich gerade bei einer ganz anderen Sportart zusehen. American Football zum Beispiel oder Pro Wrestling (Hallo, Squadra Azzurra!), oder Stierkampf (nach wie vor unübertroffen, Herr Zidane).
Ich gebe noch Preis, dass es mir egal ist, ob der Trainer die Staatsbürgerschaft des Landes hat, welches er trainiert (die deutschen Spieler heißen Özil, Boateng und Khedira – was macht es also heute noch, wo wer herkommt und wer sich wo zugehörig fühlt?) und dass ich mich überwiegend zweifarbig kleide. (Liebe SZ-Redaktion, da die Frage ja nicht spezifisch nach Sportklamotten gefragt hat, wie so manche andere, würde ich wirklich gern wissen, wie viele Ihrer Leser angegeben haben, das Haus nur in einem Shirt zu verlassen auf dem ein Ball abgebildet ist.)

Und wen feuern Sie wirklich an? (via epochtimes.de)
Dann erwarte ich mit Spannung mein Testergebnis. Und die Mannschaft, für die mein Herz WIRKLICH schlägt, das Team, das ich im HINTERSTEN Winkel meines Bewusstseins eigentlich anfeuere, ALLER Ländergrenzen und Kulturunterschiede zum Trotz ist… Deutschland!!!
Wie bitte? Das kann nicht Ihr Ernst sein, Herr Kilz! Entweder ist Ihr Test eine mit Jogi Löw und Nivea abgesprochene Sache, oder sie haben mich gerade zum spießigsten Bürger unter der deutschen Sonne gebrandmarkt! Wie das passieren konnte ist mir ein Rätsel. Ich habe doch die Frage nach meinem Lieblingsessen mit A „Fisch“ beantwortet! Und bei der Frage nach meinem nächsten Urlaub habe ich auch angeklickt, dass ich den doch bitte zwischen 6000 und 9000 Kilometer weit weg verbringen möchte. Damit werde ich ja wohl kaum die Vulkaneiffel oder den Scharmützelsee gemeint haben, oder?
Doch auch in diesem Fall gilt wohl, wie in so vielen Lebenslagen: lachen, nicht so Ernst nehmen. Das Beste draus machen. Und sich vielleicht leise fragen, ob an den Klischees die den Bewohnern mancher Länder voraus eilen nicht doch mehr dran ist, als man manchmal glauben mag?!
Von mir aus kann die WM kommen. Und sollte es trotz dieses Tests und der Aussicht auf verlockende Grillabende immer noch jemanden geben, der ihr nichts abgewinnen kann: es gibt es ja auch noch die Tour de France. Doch, auch für Euch, liebe Frauen. Ich weiß, die Bräunungsstreifen sind nicht besonders sexy. Oder wollen Sie einem nackten Radrennfahrer im Dunkeln begegnen und nur einen schwebenden weißen Torso sehen? Eben. Aber man schaut doch so eine Etappe gleich mit anderem Interesse an, wenn man erfährt, dass die Fahrer unter Ihren Trikots nichts anhaben… oder?!